Eingangstüre

Jeden Tag sehen wir viele Türen. Viele schließen wir auf. Andere werden uns geöffnet. Manche bleiben uns verschlossen. An vielen gehen wir achtlos vorüber, auch wenn sie offen stehen.

Eine Türe, die eigentlich immer geöffnet ist, ist die Türe unserer Lukaskirche. Es ist eine schwere, alte Türe aus Eichenholz. Die Jahrhunderte haben ihre Spuren an ihr hinterlassen. An manchen Stellen ist das Holz rissig geworden. Und trotzdem wirkt diese Türe noch fest und stark. Sie schützt den Eingang der Kirche. Gleichzeitig lädt sie uns ein, die schmiedeeiserne Klinke niederzudrücken und die Kirche zu betreten, den Raum, in dem sich unsere Gemeinde zum Gebet und Lob Gottes versammelt.

Die Eisenbeschläge an der Türe verstärken den Eindruck der Festigkeit. Eine solche Türe hält auch Angriffen stand. Wir kennen das von den massiven Türen bei Burgen und Schlössern. Gleichzeitig sind die Beschläge bei unserer Türe so kunstvoll angeordnet, dass sie wie ein Schmuck wirken, der den Wert der Türe unterstreicht.

Zwischen den beiden Türflügeln fällt der geschnitzte Mittelpfosten auf. In mittelalterlichen Kathedralen wird der Türsturz in der Mitte oft von einem Pfeiler gestützt. Das ist hier zumindest angedeutet: Sockel, Schaft, Kapitell - alles ist vorhanden und kunstvoll mit Blattwerk und Ranken verziert. Das passt zum Schmuck des barocken Portals, das die Türe einrahmt und ähnliche Verzierungen aufweist. Freilich ist der Türpfosten hier nur aus Holz und dem einen Türflügel angefügt.
Übrigens: Die Anordnung der Balken bildet ein X. Zusammen mit dem Mittelpfosten der Türe erinnert dies an ein Christus-Monogramm. Das sind nicht einfach Hölzer, fest verleimt und verfugt wie bei irgendeiner Türe. Das ist eine Botschaft. Sie erinnert an das Wort Jesu Christi: „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich eingeht, der wird selig werden.“ (Johannes 10,9). Wer diesen Anruf hört, für den wird die Tür zum Himmel geöffnet - hier auf der Erde, mitten in der Welt.
Paul Gerhardt hat das verstanden, wenn er in einem Weihnachtslied singt:

„Die ihr schwebt in großem Leide, /
sehet, hier ist die Tür / zu der wahren Freude; /
fasst ihn wohl, er wird euch führen /
an den Ort, da hinfort / euch kein Kreuz wird rühren.“
EG 36,7

Dr. Walter Zwanzger