Totenschilde

Totenschilder stammen ursprünglich aus der Gedächtniskultur des Mittelalters. Sie wurden meist in Kirchenräumen aufgehängt. Wichtigste Elemente sind das Wappen des Verstorbenen und eine Inschrift mit Namen, Datum des Todes und einer Gebetsformel. Das Stiften eines Totenschildes wurzelt in dem seit dem 12. Jahrhundert bezeugten Brauch Schild und Helm eines Ritters oder höheren Adeligen über dessen Grab aufzuhängen. Seit dem späten Mittelalter fmdet man diesen Brauch auch im städtischen Patriziat, besonders in Reichsstädten wie Nürnberg, wo der Brauch bis in das 18. Jahrhundert blühte. Gute Beispiele findet man etwa in der Nürnberger Sebaldskirche.

Totenschild

Der Umlauftext unseres Totenschild verrät uns, um wen es geht:
Anno domin[i] [iJn 1557 Jar an 3 decemper starb der Edel und Ernest Klaus von Egloffstein zu Kunreuth Mühlhausen Ambtmann zu Neukürch[enJ dem Gott gnedig sey Amen
Es handelt sich um den Kunreuther Dorf- und Schloßherrn Klaus V. von Egloffstein, einem Angehörigen der reichsfrey ohnmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken (Fränkische Reichsritterschaft), der aus einem der ältesten Adelsgeschlechter Frankens stammt. Schon früh hatten die Herren von Egloffstein den Bärenkopf als Wappentier. Der Bär symbolisierte schon bei den Kelten Krieger und Krieg, später Wildheit und Kämpfernatur, beides Ritterideale. Im Egloffstein'schen Wappen dürfte der schwarze Bärenkopf auf silbernem Grund für die fast übermenschliche Stärke des Bärenbezwingers stehen. Die rote Linie am Hals des Bären zeigt: Der Kopf ist abgeschlagen. Die Zunge hängt heraus. Ein Jäger, der einen Bären erlegt hat, gilt als unbesiegbar. Über dem eigentlichen Wappenschild (in Form eines Ritterschildes) erkennen wir als Helmzier einen Spangenhelm , wie er seit dem 15. Jahrhundert beim Kolbenturnier benützt wurde und der besonders auf Adelswappen vorkommt. Als Helmzier trägt er nochmals den schwarzen Bärenkopf.
Wie viele Reichsritter trat auch Klaus V. von Egloffstein 1531 in die Dienste des Bischofs von Bamberg ein und machte Karriere, wurde Amtmann auf der Burg Neideck, später auch in Neunkirchen am Brand. Als Oberschultheiß von Forchheim hatte er später das zweitwichtigste Verwaltungsamt im Herrschaftsgebiet (Hochstift) des Bischofs von Bamberg inne und als Oberst des Bambergischen Landregiments war er der höchste Offizier in dessen Armee.
Neben Kunreuth gehörte ihm auch noch das Schloß Mühlhausen bei Höchstadt, worauf der Umlauftext ja auch hinweist. Als Reichsritter nahm Klaus 1545 am Türkenkrieg teil. Besondere Bedeutung hatte Klaus im zweiten Markgräflerkrieg 1552-1554. Markgraf Albrecht A1cibiades von Brandenburg-Kulmbach hatte 1552 die Bistümer Bamberg und Würzburg, sowie die Reichsstadt Nürnberg angegriffen und dabei am 13./14. Mai 1552 das schlecht befestigte Forchheim erobert. Klaus von Egloffstein eroberte die Stadt am 31. August 1552 wieder zurück und begann Ende 1552 Forchheim mit mächtigen Steinbollwerken zu befestigen, so dass es in der zweiten Phase des Krieges im April/Mai 1553 trotz zweimaliger Angriffe sicherer Aufenthaltsort des aus Bamberg geflohenen Bischof Weigand von Redwitz wurde. Der vergeblich angreifende Markgraf versuchte Klaus nun persönlich zu treffen, indem er am 15. Mai 1553 Kunreuth angriff. Er nahm Klausens Frau Katherina gefangen, brannte das Dorf nieder und beschoss das Schloß so lange mit Kanonen, bis die darin verbarrikadierten 39 Bauern, der Pfarrer und einige Knaben herauskamen. Entgegen der Zusicherung freien Abzugs ließ er sie im Apfelgarten beim Schloß erhängen. Dorf und Schloß Kunreuth waren zerstört, die Bevölkerung fast ausgelöscht. Klaus von Egloffstein baute nach dem Krieg das Dorf und das Schloß wieder auf, legte ein genaues Güterverzeichnis an und machte sein Testament zugunsten seiner Verwandtschaft. Der Augsburger Religionsfrieden 1555 bot ihm als Orts- und Patronatsherrn die Gelegenheit, nach dem Motto cuius regio eius religio (wessen Herrschaft dessen Religion) in Kunreuth die Reformation einzuführen.
Er starb am 3. Dezember 1557 kinderlos
und wurde in der Kirche in Kunreuth beigesetzt.

Dr. Andreas Otto Weber