| „Süßer
die Glocken nie klingen als zu der Weihnachtszeit“ heißt
es in einem bekannten Kinderlied, das an die Botschaft der Engel erinnert,
die der Welt „Friede und Freud´“ verkündigen.
Nicht nur an Weihnachten, sondern das ganze Jahr über dürfen
wir uns an unseren Kirchenglocken erfreuen. Sie sind – je nach Windrichtung – auch
in den Nachbarorten zu hören. Sorgfältig ist der Klang der vier
Glocken - g´- b´- c´´- d´´- aufeinander
abgestimmt. Gegossen wurden sie 1969 in der Glockengießerei Friedrich
Wilhelm Schilling
in Heidelberg, der bedeutendsten Glockengussfirma in Deutschland nach
dem 2.Weltkrieg. Die früheren, nach dem Krieg angeschafften
Glocken hatten den Qualitätsansprüchen nicht mehr genügt.
Nach der Prüfung der neuen Glocken bekannte der kirchliche Glockensachverständige: „Alle
vier Glocken sind ganz hervorragend geworden und gehören zu den schönsten,
die ich kennen lernte.“
„Ehre sei Gott in der Höhe“ lautet die Inschrift auf der
großen Glocke. Sie wiegt 728 kg und schlägt zu jeder vollen
Stunde. Wird sie alleine geläutet, so bedeutet dies, dass jemand gestorben
ist. Die zweite Glocke, 420 kg schwer, schlägt die Viertelstunden.
Auf ihr ist das Wort Jesu zu lesen: „Ich bin die Auferstehung und
das Leben“ (Johannes 11,25). Die beiden übrigen Glocken sind
kleiner. Die dritte Glocke dient als Gebetsglocke. Daran erinnert ihre
Inschrift: „Ich will ausgießen den Geist der Gnade und des
Gebets“ (Sacharja 12,10). Die kleinste Glocke wird bei Taufen geläutet.
Auf ihr steht der Vers: „Du Heilige Dreifaltigkeit, Du seist gelobt
in Ewigkeit.“ Am schönsten ist es, wenn alle Glocken miteinander
erklingen und zum Gottesdienst einladen.
Unsere Glocken begleiten uns durchs Leben, von der Wiege bis zur Bahre.
Eine Vielzahl von Stimmungen und Erinnerungen sind damit für uns verbunden.
Wir denken vielleicht daran, wie wir unter festlichem Geläute in
die Kirche eingezogen sind zur Konfirmation oder zur kirchlichen Trauung
oder zu der Taufe eines Kindes. Wir erinnern uns an den Abschied von
einem lieben Menschen, der uns durch den Tod genommen wurde.
Die Glocken läuten den Sonntag ein und die Feste der Christenheit.
Täglich hören wir sie um 6, 11, 12 und 20 Uhr. Sie läuten
den Tag durch ihr Morgenläuten ein und geben ihm seinen Rhythmus.
Sie läuten am Mittag, sie läuten den Abend ein und rufen zur
Besinnung: „Ein Tag, der sagt´s dem
andern, mein Leben sei ein Wandern zur großen Ewigkeit“ (EG
481,5). Am Freitag läuten sie um 9 Uhr, um daran zu erinnern, dass
Jesus Christus für uns starb.
Manchmal nehmen wir das Läuten der Glocken gar nicht mehr bewusst
wahr, weil wir viel zu sehr daran gewöhnt sind. Oft fehlen sie uns
erst dann, wenn sie z.B. wegen eines technischen Defekts ausfallen. Dabei
ist doch in der Öffentlichkeit der Glockenklang die einzige laute „Stimme“,
die regelmäßig und zu festen Zeiten zum Lob Gottes anhebt.
Dieses Lob Gottes wandert mit dem Klang der Glocken um die Erde. Überall
leben ja Christen, und sie kommen zusammen, um das Evangelium zu hören,
um zu beten und zu singen. Die Glocken sind Boten des Gotteslobes.
Sie sind es auf der ganzen Welt.
Dr.
Walter Zwanzger |