| In ältester christlicher Zeit fand die Taufe in natürlich
fließendem Wasser statt. Dann begann man, eigene Taufkirchen zu
errichten, sog.Baptisterien, mit großen Taufbecken in der Mitte.
Seit dem 11.Jahrhundert trat infolge der Veränderung des Taufritus
der Taufstein an ihre Stelle. Er wurde zunächst neben dem Eingang
der Kirche aufgestellt, um zu zeigen, dass das Leben des Christen mit
der Taufe beginnt. In der evangelischen Kirche wird es bereits im 16.Jahrhundert üblich,
die Taufhandlung im Angesicht der Gemeinde zu vollziehen. Deshalb findet
hier der Taufstein häufig seinen Platz vor dem Altar oder seitlich
im Chorraum. Aus dieser Zeit stammt auch der Taufstein in unserer
Kirche.
Über 400 Jahre ist er alt, aus Sandstein gearbeitet, schmucklos,
aber von klarer Formgebung. Über einem mehrstufigen Sockel erhebt
sich der kunstvoll gestaltete Pfeiler, der sich zuletzt zu einem Becken öffnet.
Dort wird bei Taufen die kostbare Messingschale eingelegt, die das Taufwasser
auffängt. Sowohl der Sockel wie das Taufbecken hat die Form eines
Oktogons, d.h. Achtecks. Das Achteck gehört zu den ältesten
Grundrissen von Taufsteinen und Baptisterien überhaupt. Acht ist
ein Vollkommenheitssymbol, das auf die neue Schöpfung hinweist,
die mit der Auferstehung Christi begonnen hat und in die der Täufling
durch die Taufe hineingenommen wird.
Die
meisten von uns sind getauft. Man hat uns einfach zur Taufe gebracht.
Die Eltern folgten damit dem Taufbefehl Jesu: „Gehet hin und machet
zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters
und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Matthäus 28,19).
In der Taufe hat Gott uns angenommen, ehe wir uns im Glauben für
ihn entschieden haben. „Unser Glaube macht nicht die Taufe, aber
er empfängt sie,“ sagt Martin Luther. Kleine Kinder können
zur Taufe noch nicht „Ja“ sagen. Aber Erwachsene können
es. Und darauf kommt es an, dass wir das, was uns in der Taufe geschenkt
ist, persönlich annehmen, es empfangen wie ein Geschenk, es hüten
wie einen kostbaren Schatz.
Daran
erinnert uns der Taufstein in unserer Kirche. Tausende sind hier schon
getauft worden, und viele werden es noch sein. Unverrückbar
steht er neben dem Altar und erinnert uns daran, wie unser Weg im Glauben
begonnen hat: ohne Vorleistung vor Gott. Wir dürfen zu Jesus Christus
gehören, weil er es will. „Wer da glaubt und getauft wird,
der wird selig werden“ (Markus 16,16). So ist es uns von ihm zugesagt.
In jedem Gottesdienst fügen wir hinzu: „Das verleihe Gott
uns allen. Amen.“
Dr.
Walter Zwanzger
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